Gegründet von Claudio Abbado 1988, stellt WIEN MODERN heute nunmehr eines der größten Ereignisse seiner Art weltweit und das größte Festival für neue Musik in Österreich überhaupt dar. Auch 2024 gibt es im Zeitraum zwischen 30. Oktober und 30. November an 28 Spielstätten in 14 Wiener Bezirken für das Publikum, das auch die neue Musik mittlerweile angenommen hat, ein spannendes, vielfältiges Programm zwecks Horizonterweiterung und Auseinandersetzung zu entdecken wie wahrzunehmen.
Bevor jedoch auf das aktuelle Programm des innovativen Festivals näher einzugehen ist, sollen junge Leute unter 30 Jahren auf den Wien Modern Jungspund Club hingewiesen werden. Mag diese Generation ernste Musik überhaupt sowie die Musik, welche bei WIEN MODERN zu hören ist, als besonders peinlich – cringe – empfinden, soll den jungen Menschen im Rahmen der angebotenen Aktionen die Möglichkeit geboten werden, diese (Hör)Barrieren abzubauen, soll heißen, Festivalluft zu schnuppern und verschiedenste Hörmöglichkeiten persönlich auszuprobieren, gemeinsam mit anderen MusikliebhaberInnen zu Konzerten zu gehen und beim Kennenlernen und Austausch untereinander einen Einblick in den abwechslungsreichen Festivalalltag zu erhaschen.
Einen Programmschwerpunkt bildet dieses Jahr, neben zahlreichen Erst- und Uraufführungen, das Werk eines Jahresregenten – des großen, vor 150 Jahren geborenen Zwölftöners Arnold Schönberg. Mit mehreren Werken präsent sind auch drei zeitgenössische KomponistInnen – die aus Italien stammende Clara Iannotta, die aus Slowenien stammende Nina Šenk, Trägerin des Erste Bank Kompositionspreises 2024, und der aus Deutschland stammende Komponist, Schlagzeuger, Künstler und Lyriker Manos Tsangaris.
Aus dem spannenden, dichten, umfangreichen Programm darf als persönliche Empfehlungen im Besonderen auf folgende Konzerte hingewiesen werden:
ERÖFFNUNGSKONZERT am 30. Oktober im Konzerthaus: Ingo Metzmacher dirigiert das ORF-Radiosymphonieorchester mit Werken von Nina Šenk, Iannis Xenaxis und John Luther Adams.
PETER EÖTVÖS IN MEMORIAM am 31. Oktober im Musikverein: Die Wiener Symphoniker unter der Leitung von Elena Schwarz und den Solisten Pierre-Laurent Aimard und Antoine Tamestit spielen – neben einem Werk von Peter Eötvös – Musik von Dieter Schnebel, Clara Iannotta und Nina Šenk .
FESTKONZERT: SCHÖNBERG 150 / ALISON KNOWLES am 6. November im Rathaus der Stadt Wien mit Werken von Arnold Schönberg und Alison Knowles, unter Mitwirkung von Andreas Stöhr und Verena Koch-Huber.
MARTIN HASELBÖCK 70 am 10. November im Konzerthaus: Zu seinem 70. Geburtstag wird der Dirigent und Organist mit einem Solorecital an der 1913 erbauten großen Rieger-Orgel im Großen Saal, die mit 116 Stimmen, verteilt auf fünf Manuale und Pedal, noch heute die größte Konzertorgel Europas ist, geehrt. Martin Haselböck selbst spielt dabei Werke von Arnold Schönberg, Ernst Krenek, György Ligeti und Gladys Nordenstrom-Krenek.
BEAT FURRER 70 / BEGEHREN am 19. November im Konzerthaus: Der Komponist selbst dirigiert anlässlich seines bevorstehenden 70. Geburtstages das Klangforum Wien unter Mitwirkung von Cantando Admont und SolistInnen bei einer konzertanten Aufführung seines eigenen Musiktheaters nach Texten von Cesare Pavese, Günter Eich, Ovid und Vergil mit dem Libretto von Beat Furrer selbst, Christine Huber und Wolfgang Hofer.
GERD KÜHR am 27. November im Schömer Haus Klosterneuburg: Seinen beiden Streichquartetten hat er ein neues, drittes hinzugefügt und werden alle drei vom Pacific Quartet Vienna, ergänzt durch Werke von Hannah Eisendle und Lorenzo Troiani, aufgeführt.
CLAUDIO ABBADO KONZERT am 29. November im Musikverein: Unter der Leitung von Susanne Blumenthal spielt das ORF Radio-Symphonieorchester Wien das Concert for piano and orchestra von John Cage, Solist ist Nicolas Hodges. Zusätzlich sind Uraufführungen von Orchesterwerken von Tanja Elisa Glinsner, Shiqi Geng und Marios Joannou Elia zu hören.
ABSCHLUSSKONZERT am 30. November im MAK, wo Streik für 10 Drumsets von Enno Poppe erstmals in Österreich aufgeführt wird.
Ein ganz spezielles Projekt zu seinem 50-jährigen Bestehen, weil eine Herzensangelegenheit für das Ensemble, wird das Londoner ARDITTI QUARTET, „das“ Ensemble mit Schwerpunkt auf der Interpretation von Kompositionen aus dem 20. Jahrhundert und der Gegenwart – und das einzige, das in jeder Ausgabe des Festivals Wien Modern aufgetreten ist – umsetzen. An vier Abenden – am 1. und 2. November im Konzerthaus bzw. am 4. und 5. November im Musikverein – ist das Publikum zu einer Konfrontation mit den vier Streichquartetten von Arnold Schönberg, vier neuen Auftragskompositionen von Stefan Prins, Sarah Nemtsov, Chaya Czernowin und Hilda Paredes sowie mit herausragenden Kompositionen von Peter Ablinger, Salvatore Sciarrino, Clara Iannotta, Iannis Xenaxis und Luigi Nono eingeladen. Leicht haben sie es sich und den ZuhörerInnnen nie gemacht, die vier Musiker Irvine Arditti (Gründer und bis heute Primas des Quartetts, Violine I), Ashot Sarkissjan (Violine II), Ralf Ehlers (Viola) und Lucas Fels (Cello).
WIEN MODERN stellt gewiss auch 2024 die gewohnte Herausforderung im Hinblick auf neue Musik dar. Aber wie lautet doch der Titel eines von Ingo Metzmacher verfassten Buches?: „Keine Angst vor neuen Tönen„! Und ist Musik jeder Art stets geeignet, Menschen jeglichen Alters zusammenzubringen …