Als Koproduktion mit dem Schauspielhaus Graz zeigt die Oper Graz die 1670 in Paris uraufgeführte Comédie-ballett in fünf Akten „Der Bürger als Edelmann“ („Le Bourgeois gentilhomme) von Jean-Baptiste Lully/Jean-Baptiste Poquelin (Moliére) aus dem Französischen von Hans Magnus Enzensberger in deutscher und französischer Sprache.
Die enorm aufwändige Produktion mit großem humorigem Unterhaltungswert bewirkt am Ende, trotz Überlänge von dreieinviertel Stunden Spieldauer, eine entsprechende Straffung, vor allem in den Dialogen vor der Pause, wäre angebracht, das, was Moliére beabsichtigte: Eine gesellschaftliche Satire auf das Bürgertum, wo gelacht werden darf und Humor heilsamer wirkt als Frust und Ärger, worüber auch immer. Durch die gelungene Inszenierung von Matthias Rippert gerät diese Neuproduktion zum großen, spartenübergreifenden Spektakel, wird doch ein Gesamtkunstwerk aus den unterschiedlichen Genren Musik-, Sprech- und Tanztheater überzeugend, mitunter beeindruckend auf die Bühne gebracht. Deutlich herausgearbeitet durch eine exakte Personenregie wird vom Regisseur auf der leeren, hinten von einem meterhohen, an einen barocken Raum erinnernden Halbrund begrenzten Bühne (Fabian Liszt) der Umstand, dass die Hauptfigur, Monsieur Jourdain, ein Verbindungsglied zwischen dem Publikum und den drei genannten Sparten darstellt: Die Hauptrolle verkörpert quasi das Erstaunen darüber, wie Orchestermusik entsteht bzw. wie Gesangsstimmen und Ballett den Raum verzaubern. Moliéres beißende Satire auf die bürgerliche, französische Gesellschaft zur Zeit des Sonnenkönigs Louis XIV. soll auch in der heutigen Zeit funktionieren, weshalb viel am Originaltext geändert wurde und teilweise österreichische Dialekte gesprochen werden. Alles spielt in einem großen Theaterraum, daher wird auch das Orchester bei geschlossenem Orchestergraben auf der Bühne platziert. Wesentlichen Anteil am Gelingen der Produktion haben auch die fabelhaften Kostüme (Johanna Lakner) und das tolle, stimmige Licht (Johannes Schadl).
Neben der famosen, idiomatischen musikalischen Leitung von Konrad Junghänel, der die Grazer Philharmoniker in ungewohntem Genre höchst stilkundig durch den Abend führt, hinterlassen in der Aufführung am 17. Mai 2024 das Ensemble des Schauspielhauses Graz, angeführt von Tim Breyvogel als Herr Jourdain, sowie die TänzerInnen des Ballettes Graz den stärksten Eindruck. Die SängerInnen aus dem Ensemble der Oper Graz, überwiegend ein wenig dünnstimmig, können da nicht ganz mithalten, ausgenommen der seinen wohlklingenden Bass exzellent führende Wilfried Zelinka.
Von kleinen Einwänden abgesehen, ist an der Oper Graz eine sehenswerte Produktion einer Ballettkomödie zu erleben, welche die alle Sinne ansprechende, ganze Pracht barocken Musiktheaters mit all‘ seiner Rasanz, seinen Rhythmuswechseln und seinen Verzierungen erstrahlen lässt.