Die Produktion von Richard Wagners 1843 uraufgeführter romantischer Oper in drei Aufzügen, DER FLIEGENDE HOLLÄNDER, an der Bayerischen Staatsoper zählt am Haus zu den beliebtesten und erfolgreichsten künstlerischen Darbietungen überhaupt.
Inszeniert hat das Stück Peter Konwitschny, einer der eindringlichsten Regisseure im Musiktheater, der auch immer für werkerhellende Provokationen steht. Für seine Regiearbeiten wurde er vor kurzem in London bei den Oper! Awards für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin, der Freien Akademie der Künste zu Leipzig und Hamburg sowie der Sächsischen Akademie der Künste Dresden. Seine Inszenierungen von Musikdramen Richard Wagners – zum Beispiel LOHENGRIN und DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG in Hamburg, TANNHÄUSER in Dresden, neben dem HOLLÄNDER auch TRISTAN UND ISOLDE sowie PARSIFAL in München – gelten als zentral in der Wagner-Rezeption der letzten Jahrzehnte.
Und sein HOLLÄNDER beeindruckt noch immer. Ist der erste Akt überwiegend naturalistisch gehalten – der Holländer und seine Mannschaft scheinen einem Gemälde von Rembrandt entstiegen – sieht man im zweiten Akt statt der Spinnerstube ein Fitnessstudio, wo die Mädchen auf Rädern strampeln, auch diese Rädchen brummen und summen gut. Erik erscheint im Bademantel, erst im dritten Akt als Jäger. In dieses Sportinstitut kommt der Holländer und bekleidet Senta mit einem historischen Brautkleid. Am Schluss gibt es keine Erlösung, Senta sprengt nach dem Bekenntnis des Holländers die ganze Halle, wo zuvor Dalands Mannen neben den gespenstischen Gestalten vom Holländerschiff feierten. Zwingend und dem Konzept des Regisseurs entsprechend gibt es die Urfassung des Werkes zu erleben, also Ouvertüre und Ende ohne Erlösungsschluss. Das Ende tönt sowieso nur leise aus den Lautsprechern. Konwitschnys Inszenierung arbeitet streng mit Dialektik und Verfremdungseffekten wie das epische Theater von Bertolt Brecht: dieser Umstand und seine famose Personenregie wie höchst subtile Personenführung ergeben eine gelungene, überzeugende Inszenierung dieses Werkes, ganz aus der Wagnerschen Musik heraus entwickelt.
Musikalisch geht’s hoch her in dieser Repertoireaufführung am 31. März 2025. Patrick Lange peitscht das Bayerische Staatsorchester in pausenlosen zweieinviertel Stunden förmlich durch die Partitur, setzt damit voll auf das balladenhafte des Stückes. Das Orchester geht diese Tour de Force bravourös mit, lediglich das Blech ist ein wenig fehleranfällig. Großartig präsentieren sich vor allem die Herren des Bayerischen Staatsopernchores, Christoph Heil sorgt für prächtig schallenden, großen Chorgesang, besonders im dritten Akt, nur die Damen in der Spinnstube, sprich Fitnessstudio, schwächeln ein wenig in den Höhen.
Und dann ist noch eine exzellente Besetzung zu vernehmen: tadellos rollendeckend Natalie Lewis als Mary, Tansel Akzeybek als Steuermann und der mittlerweile ins schwerere Tenorfach tendierende Benjamin Bruns als Erik, mit wohlig warmem, ebenmäßigem Bass Franz-Josef Selig als Daland. Camilla Nylund, bereits im hochdramatischen Fach angekommen, steigert sich nach einer noch eher verhaltenen Ballade mehr und mehr im Laufe des Abends und gibt eine ungemein starke, dramatische Senta, überzeugt auch in Darstellung und Gestaltung der Rolle vollends. Letzteres ist auch dem Sänger der Titelrolle zu attestieren – der in den USA geborene Bassbariton Nicholas Brownlee ist ein hünenhafter Seefahrer, ein Prachtkerl von einem Holländer. Dazu singt er auch ausgezeichnet, sein Stimmorgan verfügt über die für die Rolle so notwendige Dämonie, sonor, mit enormen Volumen ausgestattet, einfach imposant klingt dieser junge Sänger, dem eine große Karriere auch im Wagner-Fach bevorsteht.
Repertoire in München, das zu Recht begeistert.